Vorwort:

Anlässlich unseres 100. Bestandsjahres im Jahre 2000 wurde eine Festschrift in Form eines Extrablattes herausgegeben. Darin berichtet Dr. Gerhard Nurscher als Chronist der Kierlinger Sängerrunde über die Vereinsgeschichte. Dieser Bericht wurde als Grundlage für die ersten hundert Vereinsjahre auszugsweise übernommen.

GerhardNurscher
Dr. Gerhard Nurscher
Chronist

Die Gründung

Bereits im Jahre 1899 fanden sich Damen und Herren im Gasthaus des Volkssängers und Komponisten Karl Wunderl in Kierling (Kirchenplatz 3) zur Pflege des Liedes zusammen. Zu Beginn des Jahres 1900 fand dann die offizielle Vereinsgründung statt.
OMR Dr. Hugo Hoffmann war erster Chormeister.

Anlässlich der Vereinsgründung entstand dieses Foto (mit Schablone), auf dessen Rückseite sind Namen (zur Schablone) der abgebildeten Personen angegeben. Von zwei Personen fehlen die Namen, falls Sie uns dazu Hinweise geben können, wären wir sehr dankbar.

Bereits im Gründungsjahr fand eine „Sommerliedertafel“ statt, für diese Veranstaltung wurden immerhin 194 Karten zum Preis von je 1 Krone verkauft. Diese Sommerliedertafel wurde zum fixen Bestandteil der öffentlichen Auftritte bis heute. Während des ersten Weltkrieges ruhten die Vereinsaktivitäten, aber bereits am 26. April 1919 trat der Verein wieder bei seiner Liedertafel auf. Es begann eine Blütezeit des Vereines, welche sich insbesondere durch die hohe Akzeptanz am Kierlinger Kulturleben auszeichnete. Veranstaltungsorte waren damals der Kinosaal und der Saal des damaligen Gasthauses Wegl (heute Kierlingerhof).

Die Zwischenkriegszeit

Der damalige Geldwertverfall der Kronenwährung schlägt sich auch im Kassabuch des Vereines nieder und zwar:

Im Jahre 1922 sind die Einnahmen wegen der Inflation auf 135.000 Kronen angewachsen, im Vereinsjahr 1924/1925 waren es gar schon 10.600.000 Kronen.

Doch die Vereinstätigkeiten kamen damals trotzdem den Bedürfnissen der Bewohner sehr entgegen, brachten sie doch Unterhaltung in einer besonders schwierigen Zeit.

Doch die Zeiten wurden auch wirtschaftlich und politisch immer schlechter. So spendete die Kierlinger Sängerrunde die Einnahmen der Liedertafel 1934 der Ausspeisungsaktion unserer Pfarre.

Ein jähes Ende aller Vereinstätigkeiten war mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gegeben.

Ein jähes Ende aller Vereinstätigkeiten war mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gegeben.

Der Wiederbeginn

Auf eine Initiative des Kierlinger Zimmermeisters Franz Kerbl ist es zurückzuführen, dass der Verein seine Tätigkeiten wieder aufnahm und am 20. Jänner 1950 die erste Jahreshauptversammlung nach dem 2. Weltkrieg abhalten konnte. Franz Kerbl wurde als Obmann wiedergewählt (er war bereits Obmann vor dem Krieg) und Frau Margarete Falb leitete als Korrepetitorin die Proben. Ab dem Jahre 1954 trat dann der Verein unter seinem neuen Chormeister Karl Salomon wieder in der Öffentlichkeit auf.

Beginn einer Chorfreundschaft

Im Jahre 1976 wurde die Freundschaft mit dem Liederkranz Maitis gegründet. Unser Mitglied Stadtrat Komm. Rat Franz Lang (ehemals unser Obmann und seit 1973 Ehrenobmann), hat den Abschluss der Städtepartnerstadt Göppingen – Klosterneuburg genützt, um diese Chorfreundschaft ins Leben zu rufen.

Seit damals werden die Kontakte, in einem Rhythmus von zwei Jahren, durch gegenseitige Besuche oder gemeinsame Sängerreisen gepflegt.

Wir feiern 100 Jahre

Für diesen Anlass gab es ein ausführliches Rahmenprogramm. Bereits am Donnerstag traf unser befreundeter Verein, der Liederkranz Maitis, ein und wurde größtenteils bei den Sängerrunden-Mitgliedern privat untergebracht. Am Freitag darauf gab es einen gemeinsamen Ausflug in das Waldviertel.

Als Höhepunkt unserer Feier fand am Samstag, dem 3. Juni 2000 ein Festkonzert in der Babenbergerhalle statt. Bei diesem Konzert erhielten wir freundschaftliche Unterstützung durch den Chor Weidling, den Chor Kritzendorf, dem Liederkranz Maitis und dem Jugendchor Kierling. Ein Orchester unter der Leitung von Helmut Steubl spielte u. a. die Polka „Feuerfest“, wo unser Mitglied Leopold Wieshaider in gekonnter Weise den Amboss „hämmerte“. Kammersängerin Mirjana Irosch und Staatsopernsänger Herwig Pecoraro trugen Duette aus „Gräfin Mariza“ und „Csardasfürstin“ vor. Als abschließender Höhepunkt nach einer ökumenischen Messe am Sonntag in unserer Kierlinger Pfarrkirche verabschiedeten wir uns von den Sängerinnen und Sängern des Liederkranzes Maitis, gedachten unserer verstorbenen Mitglieder bei einer Kranzniederlegung und ließen bei einem Mittagessen im Gasthof zum Grünen Baum die Festlichkeiten ausklingen.

Proben und Aufführungen

Die Kierlinger Sängerrunde hatte viele Jahrzehnte keinen eigenen Proberaum. Proben und Aufführungen gab es in Gasthäusern und im Haus der FF Kierling. Für Aufführungen standen u. a. der Grüne Baum, der ehemalige Kinosaal und der Turnsaal der Volksschule Kierling zur Verfügung.

Der Feiertag Maria Empfängnis am 8. Dezember 1966 verdient deshalb hervorgehoben zu werden, weil an diesem Tag das erste Adventsingen des Vereines, damals noch im Gasthaus zum Grünen Baum, stattfand. Alljährlich am 8. Dezember ist nun das Adventkonzert der Kierlinger Sängerrunde ein sehr gut besuchtes Konzert in der „Stillen Zeit“. Im Jahre 1982 lud der damals neue Pfarrer von Kierling, Augustiner-Chorherr Benno Anderlitschka, den Chor erstmals zum Adventsingen in die Pfarrkirche ein. Diese Einladung wurde dankend angenommen, kann man sich doch für ein stimmungsvolles Konzert keinen schöneren Rahmen wünschen. Seit wenigen Jahren findet auch unsere Liedertafel in der Pfarrkirche statt.

Auch sangen wir im Advent immer wieder in Seniorenheimen, in der Babenbergerhalle im Rahmen des Adventabends der Stadtgemeinde und in der evangelischen Kirche.

Wir haben einen eigenen Probenraum!

Ein Markstein in der Vereinsgeschichte war das Jahr 1985. Das Seniorenheim im „Haus im Grünen“ wurde aufgelöst und die Räumlichkeiten anderen Nutzungen zugeführt. Man etablierte dort eine Arztpraxis, eine Bücherei, das Kierlinger Heimatmuseum und der Kierlinger Sängerrunde wurde von der Stadtgemeinde Klosterneuburg ein eigener Probenraum zur Verfügung gestellt.

Unser Obmann und mittlerweile Ehrenobmann Ing. Johann Fabian ermöglichte es uns, dass die vor diesem Probenraum gelegene Dachterrasse überbaut werden durfte. Er führte die Planung und die erforderlichen statischen Berechnungen durch und erwirkte dazu die Baugenehmigung von unserer Stadtgemeinde. Nach dem Jahresbeginn 2002 wurde in Eigenleistung der Mitglieder der Kierlinger Sängerrunde mit den Bauarbeiten begonnen und zügig zur Vollendung gebracht. Mit dem uns so üblichen geselligen Rahmen wurde im April 2002 die Gleichenfeier abgehalten und im zweiten Halbjahr konnte dieser neue Zubau bereits genutzt werden.

 

….und die Zukunft?

Mittlerweile stehen wir in unserem 112. Vereinsjahr (1900 – 2012), die Mitglieder erfreuen sich an unserer Gemeinschaft, singen gerne und sind mit unserem Chorleiter Luis Alberto Cárdenas in sehr guten Händen.
Wir danken den politischen Verantwortlichen unseres Ortes und der Stadtgemeinde Klosterneuburg sehr herzlich, dass wir für unseren Gesangsverein eine so perfekte Probenmöglichkeit haben.

Die Kierlinger Sängerrunde arbeitet für eine Bestandssicherung des Vereines und hofft, dass sich wieder vermehrt neue Sängerinnen und Sänger finden, um eine Weiterführung des Vereines auch zu gewährleisten.

 

Kierling, März 2012, Herbert Kuss